Italien

Powerfrau im Weinfieber

Manuskript des Beitrages vom 06.08.2006

von Katrin Molnár

Elena Walch gehört zu den erfolgreichsten Weinproduzenten Italiens. Für den perfekten Tropfen gab die Architektin ihren Beruf auf und wurde zur Winzerin aus Leidenschaft.

Oberhalb des Kalterer Sees ist das größte, zusammenhängende Weingut Südtirols. Dass hier die Leidenschaft für die berauschende Pflanze emanzipatorisch wirkt, hätte noch vor zwanzig Jahren kaum einer gedacht – schon gar nicht Ahnherr Wilhelm Walch, der den Familienbetrieb 1869 gegründet hat. Vor seinem Bildnis zeigt Elena Walch, dass die Frauen auch in Sachen Wein auf dem Vormarsch sind. Die 55-Jährige gehört zu den erfolgreichsten Weinproduzenten Italiens. In der Südtiroler Weinwelt jedoch ist sie bis heute die einzige Frau. Nicht gerade ein Zuckerschlecken in dieser Männer-Domäne. Dennoch kein Grund, den Spaß an diesem Beruf zu verlieren, den die einstige Architektin relativ spät für sich entdeckt hat.

O-Ton: Elena Walch, Winzerin

"Der Wein bringt natürlich Entscheidungen mit sich und das ganze Leben um den Wein herum ist natürlich heutzutage sehr wichtig. Für mich wichtig, ja. Ich hoffe, dass es auch für andere Leute wichtig ist und nicht nur für mich. Aber ich sehe, dass das Interesse des Weines im Allgemeinen doch sehr zugenommen hat."

Als geschäftstüchtige Unternehmerin hat Elena Walch auch für ein Restaurant direkt am Castel Ringberg – einem ihrer Weinberge – gesorgt. Hier kann sich die Genussorgie für Nase, Gaumen und Magen so richtig entfalten. Neben Elena Walchs preisgekrönten Weinen werden delikate Speisen aufgetischt. Und die kreiert Küchenmeister Stefan Unterkircher zusammen mit seiner Freundin höchst persönlich. Abwechslungsreich wird Mediterranes mit Südtirolerischem kombiniert. Seit vier Jahren arbeitet die Winzerin mit dem jungen Gastronomen-Paar zusammen. Gemeinsam entscheiden sie, was auf die Karte kommt und stimmen Speisen und Weine gekonnt aufeinander ab.

O-Ton: Elena Walch

"Ich würde den Pinot Grigio vom Castel Ringberg vorschlagen. Er kombiniert sich sehr gut mit Speck und dem Zander. Ich glaube, dass ist eine gelungene Kombination. Der Teller sieht nebenbei herrlich aus."

"Während man früher einen Wein einfach nur getrunken hat und sich nicht lange darüber unterhalten hat, ist er heute salonfähig geworden der Wein. Man ist sehr informiert über Weine, man spricht gerne über Weine. Und Wein ist ja auch ein Aspekt der Kultur. Und wenn Sie z.B. in Südtirol herumfahren und die schönen alten Gebäude sehen, die nach unten so stark auseinander gehen, so wissen Sie, dass darunter Weinkeller sind. Und das aus ganz einfachem Grund: früher hatte man keine Fundamente, also musste die Mauer nach unten hin sehr dick werden."

Hier in Tramin, direkt über dem bekannten Weinkeller der Walchs, ist die Architektin zur Winzerin geworden. 1985 heiratete Elena Walch in eine der ältesten Weinfamilien Südtirols ein. Und mit der Liebe zu ihrem Mann kam auch die Liebe zum Wein. Sie beschloss, einen neuen Tropfen zu kreieren und hing die Architektur an den Nagel. Der Erfolg gibt ihr heute Recht.

O-Ton: Elena Walch

"Ich hatte geplant, ich habe Häuser gebaut. Es stehen verschiedene Gebäude in Südtirol. Ich habe ein Kulturhaus gemacht auch. Und nach all diesen Sachen war es einfach – nicht an der Zeit – aber ich habe eine Chance gesehen, was Neues, was ganz anderes zu tun. Wobei ja eigentlich einige Elemente ähnlich sind. Sei es in der Architektur als auch im Weinkreieren – es ist immer der Moment der Kreation, also immer der Moment der Entscheidung etwas Neues auf die Beine zu stellen."

Doch egal, was Elena Walch auch in Angriff nimmt, ihre Arbeit ist immer auf höchstem Niveau. Und das hat seinen Preis: Nur selten kommt die ehrgeizige Frau zur Ruhe. Auch für ihre beiden Töchter bleibt wenig Zeit, wenn sie zu Preisverleihungen und Präsentationen durch die ganze Welt tingelt. Doch sogar in Momenten der Entspannung, kann die Winzerin ihre Hände nicht vom Wein lassen. Sie zelebriert den Weingenuss auch privat in vollen Zügen. Als Winzerin nimmt sie sich die Arbeit eben auch gerne mal mit nach Hause.

O-Ton: Elena Walch

"Es gibt ja so viele wunderbare Weinsorten, es gibt viele Länder, die wunderbare Weine produzieren. Ich glaube dass ich nie satt werden werde und vor allem, dass ich nie genügend weiß. Also das Wissen ist unbegrenzt. Und man kann sich immer wieder weiter informieren und das ist auch interessant, ich merke zum Beispiel, wenn ich meine Reisen mache oder wenn ich herumreise in den Urlaub, so verbinde ich das heutzutage ganz eindeutig mit Weinregionen."

Die Suche nach dem perfekten Tropfen ist harte Arbeit und ohne einen guten Vorarbeiter nicht zu meistern. Elena Walch weiß, was sie an Peter Riffesser hat. Gemeinsam werden sie wohl noch so manchen edlen Tropfen aus den Trauben zaubern.

Zuletzt aktualisiert: 04. August 2006, 16:58 Uhr

 

 
 
 
 
 
 
 

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